Wann fahren Hasen und Schildkröten durch Osnabrück?

Wer sich jetzt fragt, ob Schildkröten und Hasen überhaupt fahren können: Können sie – und zwar mit 10 und 20 km/h! Das beweisen die osna Road Runner, wenn sie mit wissens- und spaßbegierigen Teilnehmern auf bunten Segways durch den Hasepark, das Nettetal, Osnabrücks Neustadt und Altstadt, das Natruper Holz oder über den Piesberg fahren. Nebenbei erhält die Gruppe viele Informationen rund um Osnabrück, welche nicht nur für Touristen interessant sind.

Seit der Erfindung des Segway Personal Transporters, kurz bezeichnet als Segway, im Jahr 2001 durch Dean Kamen werden insbesondere in Großstädten vermehrt Sightseeing-Touren mit dem elektrisch angetriebenen Einpersonen-Transportmittel angeboten. Begeistert von dieser umweltfreundlichen Idee hat das Ehepaar Kerstin und Ulrich Reu im Jahr 2009 mit Gründung der osna Road Runner am Osnabrücker Hauptbahnhof ein solches Angebot auch hier für Stadt und Landkreis geschaffen.
Insbesondere im Sommer kommt sowohl vielen Osnabrückern als auch Nicht-Osnabrückern die Idee, die (Heimat-) Stadt einmal auf eine ganz neue Art zu erkunden: „Die Tour bietet Spaß und Wissen zugleich – eine Kombination, die eine willkommene Abwechslung zu Sightseeing-Touren zu Fuß darstellt“, erklärt Stadtführer Thomas Grage. Je nach Nachfrage werden die verschiedenen Routen ganzjährig angeboten: Im Sommer ungefähr drei- bis sechsmal in der Woche, im Winter etwas seltener. Doch „solange es nicht glatt ist, finden unsere Touren statt“, erklärt Kerstin Reu.

Wie wird mit einem Segway gefahren?

Da mit den Segways am öffentlichen Straßenverkehr teilgenommen wird, muss jeder Fahrer mindestens einen Mofa-Führerschein besitzen und während der Tour einen Fahrradhelm tragen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, gelingt auch Anfängern das Fahren nach ein wenig Übungszeit, die zu Beginn jeder Fahrt vor dem Laden der osna Road Runner stattfindet.

Schildkröte und Hase symbolisieren beim Fahren die Geschwindigkeitsstufen: mit dem 10 km/h-Reptil wird geübt, bevor es dann mit dem 20 km/h-Hasen auf Tour geht. Jeder Teilnehmer übt bei der individuellen Einweisung Bremsen und Anfahren, das Durchfahren eng zusammengestellter Pylonen sowie das Überqueren von kleinen Unebenheiten. Während der Tour koordiniert der Fahrer Gas geben sowie Bremsen ausschließlich mittels des eigenen Körpergewichts und –gefühls. Soll Fahrt aufgenommen werden, gilt es den Körper nach vorne zu lehnen, soll das Tempo verringert werden, lehnt der Fahrer sich zurück. Was nach viel Feingefühl klingt, kommt den Teilnehmern nach ein paar Minuten so vor „als hätten sie nie etwas anderes in ihrem Leben gemacht“, stellt Grage fest.

Wie läuft eine Segway-Tour ab?

Nach der Einweisung von zehn bis 30 Minuten startet die „Segway-Kolonne“: Angeführt vom Leiter der Tour folgen in Reihe die Teilnehmer auf ihren unterschiedlich gefärbten Segways. Während der Fahrt wird an interessanten Sehenswürdigkeiten Halt gemacht, bei denen die Gruppe umfangreiche Informationen erhält. Bei der Neustadttour gibt es beispielsweise etwas über das Schloss von Osnabrück, die Katharinenkirche, das Felix-Nussbaum-Haus sowie ehemalige Verwaltungsämter aus der Zeit des Nationalsozialismus zu erfahren.

„Da die Segways Sonderfahrerlaubnisse für bestimmte Wege haben, kommen auch viele Osnabrücker an Ecken, die sie vorher noch nicht gesehen haben“, erklärt Grage. Die Dauer der Touren variiert zwischen einer und drei Stunden, abhängig von der jeweils gebuchten Route.
Wer eine individuelle Tour buchen möchte, kann dies ebenfalls tun. So haben beispielsweise einige Junggesellenabschiede in Superman-Kostümen oder der Mannschaftsabend eines Volleyballteams in Trikots auf einem Segway stattgefunden. Auch eine Nikolaustour oder Betriebsausflüge mit dem Segway werden zur Weihnachtszeit gerne von Unternehmen gebucht. Einem Osnabrücker kam die Idee, anlässlich seines 80. Geburtstags die wichtigsten Stationen seines Lebensweges mit einigen Gästen auf Segways abzufahren.
Wenn die Teilnehmer hierbei nicht wie üblich am Hauptbahnhof starten oder enden möchten, bieten die Road Runner die Möglichkeit, die Segways zum gewünschten Startpunkt zu bringen und sie von dort auch wieder abzuholen. „Wir stellen Personal und Equipment für solche Touren zur Verfügung und erarbeiten mit dem Kunden einen Ablaufplan nach seinen Wünschen und unseren Möglichkeiten“, sagt Geschäftsführerin Reu. Also warum nicht selbst bei einer individuellen oder festgelegten Tour ausprobieren, wie der Hase läuft?!

Ausgabe 8, 3/2014 | Autor: Simone Bürgel

Bildnachweise

Fotos ©osna road runner