Warum ist Ankum keine Stadt? (Teil 1)

2014 feiert Ankum das fünfhundertjährige Jubiläum seines Kirchenturms. Er gehört zum sogenannten Artländer Dom, in dessen Umfeld in den Jahren 2009 bis 2012 intensive archäologisch-historische Forschungen betrieben wurden. Dr. Daniel Lau, der die Grabungen in Ankum leitete, schildert in „Osnabrücker Wissen“ die wichtigsten Entdeckungen. Teil 2 erscheint in der Juni-Ausgabe.

Wie alt ist Ankum?

An einem Fenster über dem Westportal des Ankumer Kirchenturms ist als Baudatum das Jahr 1514 in Stein geschlagen. Die untersten Stockwerke des Kirchenturms stellen damit das älteste historische Zeugnis Ankums dar, das obertägig noch für BesucherInnen erfahrbar ist. HistorikerInnen können die erste Erwähnung Ankums nochmals ein gutes halbes Jahrtausend in die Vergangenheit zurückverfolgen. Die älteste Urkunde, die den Ortsnamen nennt, stammt aus dem Jahr 977. Durch C14-Datierungen kam noch mehr Licht in die Geschichte des Ortes. Dabei wird der Anteil des radioaktiven Kohlenstoffisotops C14 in organischen Materialien festgestellt. Alles was lebt, nimmt ständig C14 auf – durch die Atemluft oder durch Ernährung. Sobald ein Organismus stirbt, zerfällt der Kohlenstoff und der verbleibende Anteil kann gemessen und für die Altersbestimmung verwendet werden. Nach diesen Untersuchungen stand fest, dass Ankum bereits um das Jahr 650 besiedelt wurde.

Welche Bedeutung hatte Ankum im Mittelalter?

Aus dem 7. Jahrhundert stammt ein Graben, der sich entlang der Nordseite der heutigen Kirche erstreckte. Vermutlich handelte es sich dabei um den Teil einer Einfassung eines Herrenhofes, der in späterer Zeit durch die Kirche ersetzt worden ist. Aus der Zeit des 8./9. Jahrhunderts stammen Nachweise von spezialisiertem metallverarbeitendem Handwerk, das sich nördlich der Kirche ansiedelte und vermutlich im Rahmen des ersten Kirchenbaus betrieben wurde.

Seit dieser Zeit, bis um das Jahr 1250, zeugen archäologische Funde und Befunde von einer besonderen Bedeutung des Ortes. Es fanden sich wertvolle bemalte Tongefäße, in denen vermutlich Wein aufb ewahrt wurde, Reiterzubehör in Form eines Stachelsporns und verzierten Zaumzeugbestandteilen, die nur in Verbindung mit der Adelsschicht denkbar sind sowie Hinweise auf eine Befestigungsanlage der Kirche, so dass auch von einer Kirchenburg gesprochen werden kann. Alles deutet darauf hin, dass es sich bei Ankum um einen sogenannten Zentralort handelte. Eine Art Außenposten der Missionierung im altsächsischen Stammesland. Die Bedeutung als Standort einer frühen Missionskirche konnte Ankum während des Mittelalters weiter ausbauen. Sie zeigt sich bis heute in der Gestaltung der monumentalen Kirchenburganlage. Der Artländer Dom zeugt noch immer von dem mittelalterlichen Glanz.

Warum steht der Artländer Dom in Ankum?

Der Artländer Dom ist in Wahrheit kein Dom, denn hier gibt es keinen Bischofssitz. Außerdem steht er nicht im Artland. Seine Bezeichnung verdankt er dem Volksmund, der auf geografi sche Präzision offenbar keinen besonderen Wert legte. Bei der St. Nikolaus Kirche handelt es sich tatsächlich um eine dreischiffige Basilika, die zwischen 1896 und 1900 in ihrer heutigen Form nach Plänen des Architekten Johannes Franziskus Klomp neu aufgebaut wurde, nachdem die alte Kirche 1892 vom Blitz getroffen und bis auf die untersten drei Stockwerke des Kirchenturms zerstört wurde. Aufgrund der imposanten Größe der Kirche, sie war für ca. 2000 BesucherInnen konzipiert, wird sie als „Dom“ bezeichnet. Erfahren Sie im zweiten Teil warum aus Ankum, trotz bester Voraussetzungen, keine Stadt geworden ist.

Zentralort

Nach archäologischen Kriterien handelt es sich bei einem Zentralort um einen Siedlungsplatz von hervorgehobener Bedeutung. Eine verkehrsgeographisch günstige Lage ist ebenso wichtig, wie der Nachweis von überregionalem Handel, ansässigem spezialisiertem Handwerk und einer repräsentativen Außenwirkung, beispielsweise durch eine Befestigungsanlage.

Anschrift des Autors: Dr. Daniel Lau M.A., Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, E-Mail: lau@osnabrueck.de
Weitere Informationen: http://www.kirchenburg.wordpress.com

Ausgabe 7, 2/2014 | Autor: Dr. Daniel Lau

Bildnachweise

Der Artländer Dom in Akum © http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Artl%C3%A4nder_Dom.jpg
Wertvolle restaurierte Metallfunde aus Ankum © Daniel Lau; Grabungshelferin beim Freilegen von Skeletten an der Kirchenmauer © Daniel Lau