Warum ist die Dodesheide keine tote Heide?

Schon im Jahre 1512 tauchte der Name Dodesheide im geschichtlichen Ortsverzeichnis des Fürstbistums Osnabrück auf. Bis heute gibt es zwar mehrere interessante Deutungsvorschläge, aber bei genauerer Betrachtung ergeben sich fast überall Widersprüche.

Wo liegt eigentlich die Dodesheide?

Selbst deren Bewohner tun sich schwer mit der Abgrenzung zu den umliegenden Stadtteilen. Das liegt auch daran, dass die Dodesheide erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein eigenständiger Stadtteil Osnabrücks wurde. Vorher gehörte sie, ebenso wie Teile von Gartlage, Sonnenhügel und Widukindland zum Schinkel. Seit der Gebietsreform von 1972 wird die Dodesheide im Norden von der Vehrter Landstraße begrenzt, im Süden von der Bahnlinie nach Bremen, im Osten von Belm und im Westen von der Landwehr, einer vorgelagerten Stadtbefestigung.
Sie bestand aus Wällen, die mit dichtem Dornengestrüpp bewachsen und Gräben, die in den Niederungen mit Wasser gefüllt waren. Heute wird die Landwehr von hohen Bäumen gesäumt und gilt als grüner Finger der Stadt Osnabrück.

Woher kommt nun der Name dieses Stadtteils?

Das Grundwort „heide“ wird im Niederhochdeutschen als ein mit Strauchwerk und Dornen bewachsenes Land bezeichnet. Das Bestimmungswort „dod(es)“ zeigt an, dass es sich hier um eine Genitivform handelt, die durch -es- markiert wird. 2004 machte sich eine Klasse der Grundschule in der Dodesheide auf die Suche nach dem Ursprung des Namens. Am Ende präsentierten die Schüler stolz ihr Ergebnis. Dodesheide stamme von „tote Heide“. Die Stadtteilhistorikerin Anni Wächter hielt das für einen Trugschluss. Mit dem Hinweis auf eine Chronik leitete sie den Namen von Bischof Dodo ab. Beide Theorien halten wissenschaftlichen Nachprüfungen aber nicht stand.  Die Vermutung, dass Dodesheide mit „tote Heide“ gleichgesetzt werden könne, lässt sich schon grammatikalisch widerlegen.

Das Adjektiv -tot-, -dod- steht hier im Dativ. Ein Zusammenschieben der Worte -to der doden heide- würde folglich „Dodenheide“ ergeben. Die Vermutung, dass Bischof Dodo der  Namenspatron gewesen wäre, ist auch nicht stimmig, denn in diesem Zusammenhang müsste es ebenfalls Dodenheide heißen. Was noch übrig bleibt ist der Gedanke, dass die Dodesheide auf einen anderen Personennamen zurückgeht. Für plausibel hält die Göttinger Ortsnamenforscherin Dr. Kirstin Casemir, dass ein gewisser Dod oder Dodi der Namenspatron sein könnte. Mit der Genitivform „Dodesheide“ wäre der Name schlüssig. Bemerkenswert ist, dass wir denselben Personennamen auch im nahen  Düstrup finden, das früher als Dodesthorpe bezeichnet wurde. Vielleicht war es ja ein Ritter, nach dem sowohl die Dodesheide als auch Dodesthorpe benannt waren. Schade ist nur, dass keine historische Figur bekannt ist, die exakt in dieses Muster passt.

Ausgabe 14, 2/2016 | Autor: Ebba Ehrnsberger
Heide

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