Was trieb Biso in Bissendorf?

Einen Bissen für Papa, einen Bissen für Mama, einen Bissen für Biso… Moment, wer mag das gewesen sein? Und was hat er mit dem Namen Bissendorf zu tun? Seine Spuren führen zum Sonnensee.

Wer heute Bissendorf besucht, findet im Nordosten der Dionysiuskirche ein kleines, weiß verputztes Lehm-Fachwerkhaus. Es ist vermutlich als Rest einer ehemaligen großräumigen Wohn- und Wehranlage aus dem 11. Jahrhundert stehengeblieben. Dieses sogenannte „Haus Bissendorf“ kann als Keimzelle des heutigen Ortes angesehen werden. Bei den 2011 bis 2012 dort durchgeführten Ausgrabungen fanden Osnabrücker Archäologen heraus, dass der alte Ortskern mindestens seit dem 8. Jahrhundert kontinuierlich besiedelt gewesen ist – und die Geschichte Bissendorfs somit in die Zeit fällt, als Osnabrück gegründet wurde. Der Name „Bissendorf“ wird erstmals 1160 urkundlich erwähnt. Der Name des Adelsgeschlechts der Ritter von Bissendorf taucht dann 1182 auf. Sie sollen sich nach dem Ort benannt haben, und der lautete damals Bissenthorp.

Aus derselben Zeit ist der Bau der steinernen Saalkirche mit Turm überliefert. Sie wurde nach ihrem Schutzheiligen Dionysius benannt. Woher kommt nun der Name Bissendorf? Leicht nachvollziehbar ist, dass es sich hier um eine Siedlung handelt. Die Bedeutung des Grundworts „-dorf“, entwickelte sich aus thorp, thorpe und dorp(e), wie der Heimatforscher Hermann Jellinghaus schreibt. Daraus lässt sich ableiten, dass bereits bei der Entstehung des Ortsnamens eine Ansiedlung vorhanden war. Den Überlieferungen nach wohnte eine Gruppe verwandter Menschen im „Tal des Sonnenbachs“, also am heutigen Sonnensee. Das Bestimmungswort des Ortsnamens mit der Form „Bis(s)en-„ weist auf einen schwach flektierten Personennamen hin. Nach den Recherchen der Ortsnamens-Forscherin Dr. Kirstin Casemir ist dieser Name mehrfach in alter Zeit bezeugt.

So lebte schon im 5. Jahrhundert in Thüringen ein Herzog Biso und im 9. Jahrhundert der Paderborner Bischof mit ebendiesem Namen. Es ist aber wohl auszuschließen, dass es hier verwandtschaftliche Beziehungen gab, da Bissendorf über eine Eigenkirche verfügte, die im Bistum Osnabrück lag. Die Bedeutung dieses althochdeutschen Rufnamens ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Vermutung liegt aber nahe, dass ein Mann namens Bis(s)o in dieser Sippschaft tonangebend war. Somit haben wir es in Bissendorf mit der „Siedlung des Biso“ zu tun.

Ausgabe 13, 1/2016 | Autor: Ebba Ehrnsberger