Was verbirgt Osnabrücks Unterwelt? (Teil 2)

Unzählige Erwähnungen von alten Hohlräumen und Gängen unter Osnabrück füllen mittlerweile ganze Internetseiten und Bücher, doch noch immer gibt es eine Vielzahl von Gerüchten und Spekulationen über verlassene Stollensysteme und vergessene Hohlräume aus längst vergangenen Tagen unter den Straßen von Osnabrück.

Die Vielzahl an Spekulationen über Gänge und Höhlen unter der Stadt ist bemerkenswert. Von der Alten Münze bis zur Ziegelstraße würde die Liste der Mutmaßungen reichen und wohl über 80 Einträge enthalten. Dort wäre von Tunnelsystemen in der nördlichen Altstadt die Rede, Verbindungsstollen unterhalb der Stadtbefestigungen, des Doms und anderer historisch bedeutender Bauten, von riesigen unterirdischen Krankenhäusern und vergessenen Bunkeranlagen des Zweiten Weltkrieges. Während einige dieser Mutmaßungen fern jeder Nachweisbarkeit zu sein scheinen, halten sich andere Gerüchte über alte Tunnel bis heute hartnäckig.

Wo vermutet man vergessene Tunnel?

Eine zentrale Rolle spielt der Gertrudenberg mit seiner langen Geschichte. Eines der langlebigsten Gerüchte handelt beispielsweise von einem oder mehreren Gängen, welche vom mittelalterlichen Kloster auf dem Gertrudenberg hinab in die vorgelagerte Bastion an der Vitischanze führen sollen. Andere Gänge führen angeblich bis zum Herrenteichswall oder gar unter der Hase hindurch bis zum Dom. Erstere Vermutung wird auch dadurch gestützt, dass bei Bauarbeiten an der Vitischanze im Jahr 1958 zwei Stolleneingänge für die Zeit der Bauarbeiten freigelegt wurden, deren Ursprung bis heute nicht endgültig geklärt wurde.
Davon abgesehen dürfte es neben dem heute als „Gertrudenberger Höhlen“ bekannten Teil des unterirdischen Steinbruchs, der Meesenburghöhle und dem ein oder anderen Bierkeller noch weitere verschollene Hohlräume unter dem Bürgerpark geben, welche nicht mehr ohne Weiteres auffindbar sind.

Wohin führen die Stollen unter der Altstadt?

Auch wird von mutmaßlichen Gängen inner- und unterhalb der ehemaligen Stadtmauern geschrieben. Es soll sich hierbei um Gänge handeln, welche die Wehrtürme und strategisch wichtige Punkte der Stadt unterirdisch miteinander verbanden. Diese Mutmaßungen stützen sich weitestgehend auf Veröffentlichungen des Wünschelrutengängers Margraf, der in den 1950ern behauptete, entsprechende Hohlräume in etwa 20 Metern Tiefe nachgewiesen zu haben. Die Tunnel, welche Margraf in einem Plan festhielt, würden demnach auch bis unter den Westerberg reichen, von wo aus er den Verlauf offenbar nicht weiter verfolgte. Ob diese Stollen aber jemals existierten, bleibt fraglich.
Allerdings finden sich unter den Wehranlagen am Herrenteichswall und unter der Vitischanze tatsächlich unterirdische Gänge. Auch am Markt und somit unter einem der ältesten Siedlungsgebiete der Stadt sind diese zu finden. So existiert zum Beispiel unter dem Keller des Rathauses noch heute ein alter Tunnel, welcher sich entlang der Bierstraße erstreckt. Wo er einstmals endete, wer weiß. Allerdings ist der einstige Zweck des Tunnels bekannt. Nachdem er ursprünglich als Abwasserkanal erbaut wurde, soll der Stollen während des Zweiten Weltkrieges auch als Luftschutzraum fungiert haben.

Könnte es noch Unentdecktes unter Osnabrück geben?

Dass längst nicht alle Gänge aus vergangenen Zeiten wiederentdeckt wurden, zeigt ein überraschender Fund, welcher 1978 am Kloster auf dem Gertrudenberg gemacht wurde: Dort entdeckte man bei Bauarbeiten im Keller des Klostergebäudes einen bis dahin völlig unbekannten Stollen, welcher sich in nördliche Richtung erstreckte und offenbar einstmals eine Verbindung zum Höhlensystem unter dem Bürgerpark besaß. Die Annahme, dass es daher unter Umständen noch weitere verschollene Gänge und Höhlen aus längst  vergangenen Tagen in Osnabrück gibt, lässt sich somit auch  nur schwer widerlegen. Im Gegenteil sollte davon ausgegangen werden, dass Teile der Unterwelt noch darauf warten, wiederentdeckt zu werden.
Die felsige Landschaft der Stadt verbirgt aber auch ohne längere Suche nach eventuellen Einstiegen in die Unterwelt noch eine Vielzahl weiterer unterirdischer Anlagen, die bisweilen allerlei Fragen aufwerfen. Da ist die Rede von unterirdischen Krankenhäusern, alten Schächten und verborgenen Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg. Dieser weiteren interessanten Facette der Osnabrücker Unterwelt wird im nächsten Teil von „Osnabrücker Wissen“ auf den Grund gegangen.

Ausgabe 8, 3/2014 | Autor: Thorsten Stegemann

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