Was wurde in Rulle gerodet?

Rulle wurde 1223 zum ersten Mal erwähnt – seitdem ist dieser Name unverändert geblieben. Schon der Blick auf das Kloster lässt erkennen, dass Geschichte an diesem Ort allgegenwärtig ist. Verschiedene Sagen wecken Erwartungen zur Erklärung des Namens, aber für eine seriöse Deutung helfen sie nicht weiter.

Der Oberlauf der Nette am Südhang des Wiehengebirges war zu Beginn unserer Zeitrechnung noch lückenlos bewaldet. Überall dort, wo feuchte Niederungen an höher gelegene Hänge stießen, kam es schon im 5. und 6. Jahrhundert zu den ersten Ansiedlungen. Vermutlich wurden am Ruller Esch die ersten Urhöfe errichtet. Davon ist heute nicht einmal mehr in Ansätzen etwas zu erkennen. Stattdessen fällt der Blick auf exklusive Wohnhäuser.
Die Bauern, die in diesem Gebiet vor 1500 Jahren sesshaft wurden, waren hauptsächlich Viehzüchter. Sie brauchten Weideland und Wasser für ihre Tiere. Nach und nach rodeten sie die kalkhaltigen Hänge mit den Rotbuchen und Eichen – und Birkenwälder auf den trockenen, nährstoffarmen Sandböden. Das Holz diente ihnen als Baumaterial und Brennstoff. Im Waldgebiet entstanden auf diese Weise erst einzelne Lichtungen, die sich immer mehr ausdehnten.

Dass die Geschichte mit dem Wald verknüpft ist, zeigt sich auch an der Flurbezeichnung Ruller Loh, einem Buchenwald mit einem kleinen Kalksteinbruch östlich des Wallfahrtsortes.
Es liegt nahe, dass sich der Name Rulle aus den Grundworten „roden“ und „loh“ (Wald) zusammensetzt. Maria Barz liefert in ihrer Broschüre „Wallenhorst von A bis Z“ die Erklärung, dass diese beiden Begriffe miteinander verschmolzen sind. Die ersten Siedler mussten also für ihre Höfe, Weiden und Felder den dichten Wald roden. Bis sich ein Begriff durch Anpassung an den Sprachgebrauch entwickelt, können Jahrhunderte vergehen. Möglicherweise ist der Name Rulle schon lange vor seiner ersten Erwähnung 1233 entstanden.

Ausgabe 10, 2/2015 | Autor: Ebba Ehrnsberger

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