Welche Kaiserin machte Twer weltberühmt?

Seit 1991 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Osnabrück und der russischen Stadt Twer, deren Geschichte durch Kaiserin Katharina die Große (1729-96) entscheidend beeinflusst wurde. Mariia Tcvetova, Twers derzeitige Botschafterin in Osnabrück, berichtet über die Besonderheiten ihrer faszinierenden Heimatstadt.

Warum ist Twer nicht die russische Hauptstadt?

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Twer im Jahr 1127. Damit ist die Stadt mindestens 20 Jahre älter als Moskau. Bereits 1246 war Osnabrücks heutige Partnerstadt das Zentrum eines selbständigen Fürstentums und übernahm mit Moskau eine führende Rolle. 1327 kam es allerdings zu einem bewaffneten Aufstand der Bevölkerung gegen die Tataren, der mithilfe des Moskauer Fürstentums niedergeschlagen wurde und den politischen Niedergang der Stadt einleitete.
Im Jahre 1475 unterlag Twer gegen Moskau im Kampf um die Herrschaft über das damalige Russland. Unter Ivan III. verzichtete die Stadt zehn Jahre später auf ihre Großfürsten- würde und wurde schließlich dem Großfürstentum Moskau angegliedert. So gewann Moskau den Kampf um den Titel „Hauptstadt Russlands“, verlor ihn später aber lange Zeit an St. Petersburg.

Was verbindet Twer mit Venedig?

Nach der Gründung von St. Petersburg im Jahr 1704 blühte auch Twer wieder auf. Als ein Großbrand 1763 weite Teile der Stadt vernichtete, ließ Katharina die Große einen Wiederaufbauplan entwerfen, der Twer eine Reihe bedeutender klassizistischer Gebäude bescherte, die Jahr für Jahr viele Besucher aus aller Welt anziehen. Die besten Architekten wurden engagiert, um Twer nach dem Vorbild St. Petersburgs wieder aufzubauen. So entstand die dreistrahlige Anlage mit einem Platz als Zentrum und drei Hauptstraßen in einer radialen Anordnung. Weltweit gibt es nur drei Städte, die ähnlich konzipiert wurden: St. Petersburg, Venedig und Rom. Die Bewohner von Twer sind darauf unbeschreiblich stolz!

Was verdankt Twer seinen Böcken?

In Twer genießen Böcke viel Respekt, denn schon im 13. Jahrhundert wurde das Fell der Tiere verarbeitet und exportiert. Bis zum 18. Jahrhundert war Twer der größte und einzige russische Lieferant. Hier gab es sogar eine Saffian-Sloboda, deren Einwohner sich mit der Gerberei aus dem Fell junger Böcke beschäftigten, um im Auftrag des Zarenhofs Stiefel zu nähen. Im Herbst 2008 wurde in Twer deshalb das Museum des Bocks eröffnet.

Steckbrief Twer

Partnerstadt seit: 1991
Einwohner: 460.000
Lage: am Fluss Wolga, rund 170 km nordwestlich von Moskau

Sehenswürdigkeiten: Afanasij-Nikitin-Denkmal, Twerer alte Brücke, Puschkin-Denkmal, Twer-Platz, Weiße Dreifaltigkeitskirche, Twerer Rathaus, Twerer Drama-Theater, PutewoyPalais, Trechswyatskaya Straße

Studium: Staatliche Universität Twer, Agrar-Hochschule Twer, Technische Hochschule Twer, Medizin-Hochschule Twer

Internet: http://www.tver.ru

Die Botschafterin aus Twer

Maria Tcvetova studierte an der Staatlichen Universität Twer und der Universität Tampere in Finnland. Die 22-jährige Englischlehrerin und Dolmetscherin ist seit dem 1. Oktober 2013 im Städtepartnerschaftsbüro in Osnabrück aktiv. „Meine Arbeit ist für mich eine schöne Möglichkeit meine Heimatstadt Twer in Deutschland zu vertreten – eine große Verantwortung und eine tolle Erfahrung gleichzeitig“, sagt Maria Tcvetova.

Ausgabe 5, 4/2013 | Autor: Maria Tcvetova

Bildnachweise

Bilder © Fotoarchiv des Städtepartnerschaftsbüros Osnabrück