Wie viel Portugal steckt in Osnabrück?

Seit über vierzig Jahren gibt es den Verein „Centro Português de Osnabrück“- er ist einer der ältesten und größten portugiesischen Vereine in ganz Deutschland. Der Klub kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, die in den 70er Jahren begann.

Viele deutsche Unternehmen suchten damals tatkräftige Unterstützung aus dem Ausland. So kamen auch Menschen aus Portugal nach Osnabrück, um hier bei Karmann oder in anderen großen Betrieben zu arbeiten. Da die Familien der männlichen Gastarbeiter zunächst in der Heimat blieben, sehnten sich viele Neuankömmlinge nach einem Ort, an dem sie sich treffen und austauschen konnten. Im April 1972 gründeten etwa zwanzig Männer den Verein „Centro Português de Osnabrück“. Hier traf man sich zum geselligen Miteinander, kochte gemeinsam und tauschte Nachrichten aus der Heimat aus. Später zogen auch die Familien der Gastarbeiter nach Deutschland. Nun entstand im „Portugiesischen Freizeitzentrum“ eine Folkloregruppe, dazu gab es verschiedene Theaterprojekte und sogar einen Chor, welcher Gesänge aus der portugiesischen Region Alentejo vortrug. Ein interkultureller Austausch fand allerdings nur selten statt – die portugiesischen Gastarbeiter blieben meistens unter sich.

Was ist „typisch“ portugiesisch?

Heutzutage ist das völlig anders. Was aus der Not geboren wurde, um die eigenen Landsleute aufzufangen, hat sich zu einem Freizeitverein entwickelt, der für alle Kulturen offensteht. Trotzdem soll die portugiesische Identität gewahrt bleiben. Das wünschen sich vor allem die deutschen Besucher, die oft in die Bünder Straße kommen, um landestypische Speisen zu genießen.

Das Vereinshau ist zwar kein Restaurant, jedoch werden von Freitagabend bis Sonntagnachmittag frische Menüs angeboten – von Stockfisch bis Hähnchen-Churrasco ist einiges dabei. Zudem besitzt der Verein einen kleinen Supermarkt, in dem portugiesische Spezialitäten wie Weine und Fisch verkauft werden. Ansonsten geht es hauptsächlich um das Thema Freizeit. Neben regelmäßigen Tanzveranstaltungen mit Livebands – wie der beliebten Kuduro-Night – werden viele traditionelle Feste gefeiert. Jedes Jahr gibt es beispielsweise ein Familien-Osteressen und ein Kinder-Weihnachtsfest. Außerdem organisiert der Verein Fado-Konzerte. Sie sind den traditionellen portugiesischen Gesängen gewidmet, die mittlerweile zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO gehören. Wer über Portugal spricht, darf die Fußballbegeisterung nicht vergessen. Der vereinseigene Fußballverein SC Português trainiert regelmäßig auf dem Trainingsplatz des SC Schölerberg und ist gerade erst aufgestiegen. 2015/16 spielt er in der Ersten Kreisklasse. Darauf sind die Mitglieder des Vereins besonders stolz.  Das Portugiesische Freizeitzentrum engagiert sich aber auch für viele Wohltätigkeitsaktionen, wie etwa für die DKMS-Typisierungsaktion „Rettet Hugo“, eine Spendenaktion für ein leukämiekrankes Vereinsmitglied. Der Klub organisierte im Frühjahr ein Benefizessen für Hugo, an dem 185 Personen teilnahmen.

Welche Staatspräsidenten besuchten das Freizeitzentrum?

Alle. Seit es das „Centro Português de Osnabrück“ gibt, schauten sämtliche Staatsoberhäupter einmal vorbei. Das portugiesische öffentlich-rechtliche Fernsehen RTP war auch schon zu Besuch, um die Stimmung während der WM 2006 einzufangen. 2015 weihte der zuständige portugiesische Staatssekretär im ersten Stock des Freizeitzentrums einen konsularischen Dienst ein, sodass die Portugiesen aus Osnabrück ihre Papiere nun vor Ort und nicht mehr in Düsseldorf oder Hamburg bearbeiten lassen können.

Wie geht es nun weiter?

Engagierte Mitglieder des in dritter Generation geführten Vereins sagen: „Wir sind in erster Linie Osnabrücker und würden uns wünschen, dass auch andere Osnabrücker immer häufiger den Weg zu uns finden und neue Ideen einbringen. Es wäre schön, wenn unser Verein ein großes Zentrum der Verständigung in dieser Stadt wird!“.

Ausgabe 11, 3/2015 | Autor: Ilhan Akbalik

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Bilder © Centro Português de Osnabrück