Wie wurde Walos Horst zu Wallenhorst?

Wallenhorst liegt nördlich von Osnabrück zwischen den westlichen Ausläufern des Wiehengebirges. Im Jahre 2015 wurden an diesem vergleichbar kleinen Ort 23.855 Einwohner gezählt. Woher kommt der Name und welche Bedeutung hat er? Hieß Wallenhorst schon immer so? Um der Sache auf den Grund zu gehen, ist es notwendig, den Ort erst einmal aus kulturgeschichtlicher Sicht zu betrachten.

Wallenhorst wurde zum ersten Mal urkundlich in der „Translatio Sancti Alexandri“ erwähnt. Im Jahr 851 wurden die Gebeine des heiligen Alexander von Rom über Wallenhorst nach Wildeshausen gebracht. Der Heimatforscher Kurt Jünemann berichtet dazu, dass der sächsische Graf Waltbert, ein Wittekind-Enkel, mit in der Reiterkolonne gewesen sein soll. Östlich vom heutigen Ortszentrum lag das alte Dorf auf dem Gelände des Meyerhofes. Es ist aus einem einzigen Gutshof entstanden, dem Horst des Walo. Später siedelten sich dort zusätzlich etwa 40 weitere Höfe an, gemeinsam mit Hollage, Lechtingen, Pye und Altwallenhorst. Ganz in der Nähe des Meyerhofes entstand auf den Fundamenten einer früheren Kultstätte die Alexanderkirche. Offensichtlich wurden einige der Reliquien, die für Wildeshausen bestimmt waren, für das geplante Gotteshaus abgezweigt. Der Boden war dort eher arm und sumpfig. Das Ackerland wurde zum Schutz gegen Weidevieh durch Wälle und Gräben abgegrenzt. Die Wälle bepflanzte man mit Buschwerk.

Jünemann bezeichnet daher den „Horst des Walo“ als den von Dornengestrüpp umschlossenen sächsischen Edelhof des Wittekind-Enkels Graf Walbert. Seit der ersten urkundlichen Erwähnung ist der Ortsname in seiner Bedeutung gleich geblieben. Er hat sich über die Jahrhunderte hinweg jedoch dem Sprachgebrauch angepasst. 851 n. Chr. nannte man ihn Wallonhurst, dann Walnhurst, später hieß er Walenhorst. Schließlich fügte man ein H dazu, also Wahlenhorst. Seit 1786 ist der Name Wallenhorst dann endgültig.

Seit wann es den Ort Wallonhurst jedoch gab, darüber gibt es keine verlässlichen Nachweise. Vermutlich stand hier schon zur Zeit der Germanenkämpfe gegen die römischen Legionen ein Meyerhof mit zwei steinernen Wehrspeichern als Zeuge einer alten Befestigungsanlage. Soweit die kulturgeschichtlichen Angaben – nun zur etymologischen Untersuchung. Hierbei werden die Bestandteile von zweigliedrigen Namen einzeln betrachtet.

Zunächst das Grundwort im zweiten Teil des zusammengesetzten Wortes „horst“. Horst-Namen gehen nach dem Historiker Theodor Baader möglicherweise in die Zeit bis 2000 v. Chr. zurück. Sie gehören einem frühen Verteidigungssystem an. Reste noch vorhandener Großsteingräber in Wallonhurst und die Bedeutung vom niederdeutschen „hurst“ als „Hürde“ lassen diese Erklärung zu. Im Mittelhochdeutschen wird dem „horst“ die Bedeutung von Dornengesträuch, Hecke und Dickicht zugeschrieben. Die altsächsische Bildung „harst“ beschreibt ein Flechtwerk.

Das Bestimmungswort im ersten Teil des zusammengesetzten Ortsnamens heißt „walla“. Es ist gleichzusetzen mit „Pfuhl oder Sumpf“. Folglich darf man nach Meinung der Namensforscherin Dr. Kirstin Casemir von einem reinen Naturnamen ausgehen. Wallenhorst ist demnach eine von Dornengestrüpp umgebene leichte Erhöhung an einem Sumpf.

Ausgabe 12, 4/2015 | Autor: Ebba Ehrnsberger

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