Wie optimistisch ist der Osnabrücker Einzelhandel?

Osnabrücker Wissen hat sich direkt bei den Einzelhändlern in der Region umgehört. Dabei haben wir stellvertretend für die unterschiedlichen Gewerbe drei Branchenvertreter befragt: Die Buchhandlung zur Heide als Fachgeschäft in einem Markt, der bereits seit mehreren Jahren Konkurrenz durch Internet-Angebote bekommt, die Neumarkt Apotheke – seit geraumer Zeit finden Online-Versandapotheken immer mehr Beachtung – und das Rohlfing Musikland, das den Trend zum Online-Shopping ebenfalls mehr und mehr spürt.

Das Rohlfing Musikland ist bereits seit dem Jahr 1790 in Osnabrück ansässig. In dem Geschäft am Neuen Graben werden unter der Leitung von Wilfried Tammen Klaviere verkauft, repariert und weitere Musikinstrumente angeboten. „Als Deutschlands ältestes Klavierhaus, haben wir eine große Präsentation von Instrumenten, verbunden mit gutem Service und fachkundiger Beratung“, so Tammen.

Welche Maßnahmen setzen Sie um, um mit Online-Angeboten zu konkurrieren?

Tammen: „Preislich orientieren wir uns oftmals an Online-Angeboten. Unser eigentliches Ziel ist es aber, nicht über den Preis, sondern über den Service und die Beratung zu verkaufen und uns daher nicht zu sehr von dem Preis bestimmen zu lassen.“

Wie beurteilen Sie Ihre persönliche Geschäftsentwicklung in den letzten Jahren?

Tammen: „Unser Versprechen, dem Kunden ein verlässlicher und beständiger Partner vor Ort zu sein, haben wir halten können. Auch ist es möglich gewesen, unser Sortiment weiter auszubauen und uns zu vergrößern. Speziell in unserer Klavier-Abteilung haben wir viel dazugewonnen. Durch hervorragenden Service und Reparaturen in unserer Meisterwerkstatt haben wir einen wichtigen Weg für den Kundenservice eingeschlagen.“

Sehen Sie die neuen Möglichkeiten des Internet-Shoppings eher als Konkurrenz des Einzelhandels – oder als Chance, selbst neue Kundenschichten zu erschließen?

Tammen: „Es ist klar eine Konkurrenz, da wir uns selber nicht dem Online-Verkauf anschließen werden.“

Die Neumarkt-Apotheke hat seit ihren Anfängen im Jahr 1964 ihren Sitz in Osnabrück. Heute arbeiten Carl Henrik Leue und sein 20-köpfiges Team in der Filiale Öwer der Hase. Leue sagt über seine Strategie: „Wir setzen auf die Stärken des stationären Einzelhandels, wie die persönliche und individuelle Beratung. Hohe Kompetenz, Top-Service und Schnelligkeit sind unsere Stärken. Um den Kunden zu binden, arbeiten wir mit modernen Bonussystemen, faire Preise sind für uns eine Selbstverständlichkeit.“

Planen Sie Ihren Online-Auftritt auszubauen?

Leue: „Wir nutzen für unseren Internetauftritt die Dienstleistung eines professionellen Dienstleisters, der sehr informative und qualitativ hochwertige Inhalte garantiert. In diese können wir individuelle Themen und Angebote einbinden. Diese zu pflegen und zu aktualisieren wird in Zukunft sehr wichtig sein. Ich möchte gerne die Werbung über Newsletter per Email im nächsten Jahr aufbauen. Ob wir auch das Thema Social Media nutzen sollten, ist mir noch nicht ganz klar, da ich dort neben Chancen auch diverse Risiken sehe.“

Wie wirksam sind Sonderaktionen, wie bspw. die verkaufsoffenen Sonntage oder das Moonlight Shopping?

Leue: „Gemeinsam mit unserer Werbegemeinschaft „Hase Quartier“ sorgen wir für ein attraktives Einkaufsumfeld und schöne Geschäfte, so haben wir zum Beispiel unseren Bereich zum Moonlightshopping mit einladenden Flammschalen ausgestattet. Ganzjährig sorgen wir mit eigener Bepflanzung und Reinigungsteams für ein attraktives Quartier.“

Sehen Sie die neuen Möglichkeiten des Internet-Shoppings eher als Konkurrenz des Einzelhandels oder als Chance, selbst neue Kundenschichten zu erschließen?

Leue: „Das Internet sehe ich als Konkurrenz! Verstärkt werden wir damit konfrontiert, dass sich die Kunden ausführlich beraten lassen durch den Experten vor Ort. Bei der Kaufentscheidung wird dann allerdings nur noch auf den Verkaufspreis fokussiert und alle anderen Argumente außer Acht gelassen.“

Lennart Neuffer führt an der Osterberger Heide die Buchhandlung zur Heide, die ebenfalls seit ihrer Gründung im Jahr 1919 ihren Sitz in Osnabrück hat. Service ist für ihn selbstverständlich. „In den allermeisten Fällen erhalten Kunden, die einen Artikel bis 17 Uhr bestellen, am nächsten Morgen ihre Bestellung. Wir haben seit 15 Jahren keine Versandkosten. Natürlich liefern wir mit Rechnung und bringen die Bücher auch nach Hause zum Kunden. Auf diesem Gebiet hat der stationäre Buchhandel in den letzten Jahren kollektiv versäumt, seine Leistungen herauszustellen. Viele dem Buchhandel fern Stehende glauben, er wäre von Versandfirmen erfunden worden. Und sie wissen nicht, dass es ein Preisbindungsgesetz gibt.“

Welchen Beitrag leistet Ihr Geschäft um Osnabrück als Shopping Stadt attraktiv zu machen?

Neuffer: “Unsere tägliche Arbeit als Kulturvermittler und kultureller Treffpunkt! Egal, ob in oder außerhalb der Buchhandlung.“

Wie schätzen Sie die Kaufentwicklung hinsichtlich des Verhältnisses Online- vs. Direkt-Shopping in den nächsten 10 Jahren ein?

Neuffer: „Ich bin der Meinung, dass persönlich geführte Betriebe auf Dauer ihre Stärken immer mehr ausspielen werden. Auch deshalb bin ich seit einem guten Jahr Mitglied bei „BUY LOCAL“ und versuche den Menschen deutlich zu machen, dass Versandfirmen oft gar keine Steuern in Deutschland zahlen und so gut wie nie in Osnabrück. Die KundInnen müssen erkennen, dass SIE es sind, die ihre eigene Innenstadt durch das Online-Bestellen und die Frequentierung von Filialisten veröden lassen.“

Sehen Sie die neuen Möglichkeiten des Internet-Shoppings eher als Konkurrenz des Einzelhandels oder als Chance, neue Kundenschichten zu erschließen?

Neuffer: „Es ist eine Illusion zu glauben, auf zwei Gebieten kompetent sein zu können. Entweder überzeugen Sie die KundInnen durch Ihr Ladengeschäft und die persönliche Beratung, oder Sie haben die attraktivste Webseite. Man kann Geld nicht zweimal investieren – siehe die aktuellen Probleme der Filialisten, die ihre Kunden weg von den Ladengeschäften in die Online-Bestellung drängen wollen.“

Ausgabe 5, 4/2013 | Autor: Franziska Ring

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