Was hat es dem Piepken auf sich?

Im Kloster Iburg war man schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts damit beschäftigt, eine bessere Wasserqualität zu erzielen. Der technisch begabte Prior Josef Frerking aus Oldenzaal machte sich 1518 daran, die Quelle am Dörenberg durch eine unterirdische, 2.000 Meter lange Holzleitung bis zum Kloster zu führen, wo das Wasser in einem Behälter gesammelt wurde.

Hierzu musste das Wasser mühsam aus dem Kohlbach beschafft werden. Der Kohlbach wurde damals zum
Wäschewaschen genutzt. Die Trinkwasserversorgung geschah durch Brunnen, die sich im Ort befanden. Der Prior Josef Frerking nutzte zur Erfassung und Weiterleitung des Bachs – erstmalig in Deutschland! – das Prinzip der kommunizierenden Röhren. Er hatte erkannt, dass die Quelle am Dörenberg höher lag als der Auslauf der Leitung auf dem Burgberg. Auch die Iburger profitierten von der neuen Leitung. Am Schloss befand sich eine Wasserstelle, eine Art Hahn, von dem die Bewohner das Wasser der Dörenbergquelle schöpfen durften, welches viel reiner war als das der Brunnen. Dieser Hahn wurde im Volksmund ‚Piepken‘ genannt – heute findet man an dieser Stelle einen altertümlichen Wasserhahn mit einem erklärenden Hinweisschild. Als die Quellschüttungen später nicht mehr ausreichten, wurden Hochbehälter als

Speichermöglichkeiten errichtet. Der Anschluss an die zentrale Wasserversorgung und der Bau einer neuen Aufbereitungsanlage erfolgte 1968/69. „Heute bezieht Bad Iburg das Wasser aus verschiedenen Quellen“, erklärt Reinhard Fühner, der für die Wasserversorgung der Stadt zuständig ist.  „Wir nutzen noch nimmer die Dörenbergquelle, aus der auch der Kohlbach gespeist wird, und außerdem die Sunderbachquelle. Zusätzlich gibt es noch drei Tiefenbrunnen – zwei im Freden und einen an der Laeregge.“ Außerdem wird Bad Iburg vom Wasserverband Osnabrück-Süd beliefert. Sämtliche Wassermengen werden dann zum Wasserwerk an der Laeregge gepumpt, aufbereitet und gelangen von dort über ein Leitungssystem, welches das natürliche Gefälle nutzt, zum Endverbraucher. Letztendlich war somit der Kohlbach der Beginn einer funktionierenden Wasserversorgung. Im Jahr 2018 wird Bad Iburgs Wassernetz bereits 500 Jahre alt.

Das Prinzip der kommunizierenden Röhren

Als kommunizierende Röhren bezeichnet man miteinander verbundene, oben offene Röhren. Füllt man sie mit Flüssigkeit, so steht diese in allen Röhren gleich hoch, da überall der gleiche Druck herrscht.

Ausgabe 15, 3/2016 | Autor: Leonie Rabea Große

Bildnachweise

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Hinweißschild am Amtsgericht ©  Karl-Heinz Krützkamp, Glandorf