Was macht ein Wasserrückgewinner?

Jeder weiß, dass Hygieneartikel oder Textilien nicht in die Toilette gehören. Aber nicht alle halten sich daran. „Von Windeln über Synthetik-Tücher bis hin zu Schafswolle, Kanthölzern und Europaletten haben wir schon fast alles in den Kanälen gefunden“, erzählt Josef Langelage, Leiter der Kanalreinigung bei den Stadtwerken Osnabrück. Dabei belasten die unsachgemäß entsorgten Materialien nicht nur die Umwelt, sondern erfordern sowohl in den Kanälen als auch in den Pumpwerken und im Klärwerk einen erhöhten Reinigungs- und Reparaturbedarf.

Um Verstopfungen und üblen Gerüchen vorzubeugen, werden Schmutz- und Regenwasserkanäle deshalb regelmäßig von speziellen Spülwagen gereinigt. Das Kanalnetz in Osnabrück hat eine Länge von mehr als 1.100 Kilometern – das bedeutet jede Menge Arbeit. An einzelnen Stellen setzt sich erfahrungsgemäß immer wieder Sand und Schmutz ab. Der Reinigungsrhythmus wird hier bedarfsorientiert geplant – aufgrund von Erfahrungen der Kanalunterhalter werden die Rhythmen festgelegt. Sie reichen von mehrmals im Jahr bis hin zu einem Mal in fünf Jahren. Die Abwasserkanäle werden mithilfe der sogenannten Wasserrückgewinner gereinigt. Die Reinigung erfolgt mit Hochdruck und speziellen Spüldüsen, die auf den jeweiligen Kanal abgestimmt sind. Damit der Einsatz nicht durch Fahrten zum Wasserholen unterbrochen wird, kommt die Technik der Wasserrückgewinnung zum Einsatz – daher auch der Fahrzeugname: Das Wasser wird mitsamt der Verunreinigungen mit dem Spülschlauch zum Kanal zurückgezogen.

Dort wird es mit dem Saugrüssel in den Fahrzeugaufbau gesaugt. Im Kessel wird es gereinigt: Der Schmutz bleibt im Kessel, das gereinigte Wasser kommt wieder zum Spüleinsatz. Der Kanalreinigungsrückstand wird am Schichtende im Klärwerk Eversburg in die Kanalsandannahme entleert. Dort erfolgt dann die Restbehandlung. Häufig müssen Kanalreinigungen nachts erfolgen. Das hat zwei zentrale Gründe: Zum einen soll es an den vielbefahrenen Straßen Osnabrücks tagsüber nicht zu Verkehrseinschränkungen durch die großen Spülwagen kommen. Der Zugang zu den Kanälen, sogenannte Schächte, liegen häufig zentral mitten auf Straße oder an Kreuzungen. Zum anderen befindet sich nachts weniger Abwasser in den Kanälen, da kaum Wasser verbraucht wird. Das erleichtert und beschleunigt die Reinigungsarbeiten enorm. Manche Kanäle können aus hydraulischen Gründen überhaupt nur in der Nacht gereinigt und untersucht werden.

Osnabrück von unten
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Ausgabe 10, 2/2015 | Autor: Beitrag der Redaktion

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Bilder: © Stadtwerke Osnabrück