Was waren Tabakspinner?

„Osnabrücker Wissen“ gewährt auch 2015 seltene Einblicke in das umfangreiche, aber kaum bekannte Depot des Museums Industriekultur. Im dritten Teil unserer Serie geht es um das Firmenwappen der Tabakdynastie Thorbecke.

Christian Franz Thorbecke (1763 – 1830) war ebenso wie sein Vater Daniel Franz Thorbecke Tabakfabrikant und Tabakhändler in Osnabrück. 1815, als sein Vater starb, führte Christian Franz mit seinem Bruder Daniel Philipp das Geschäft weiter. 1812 wurde Christian Franz zum Maire (Bürgermeister) von Osnabrück ernannt. Die Familie wohnte an der Johannisstraße 103 und war durch den Tabakhandel reich geworden.
Osnabrücker Kaufleute, die infolge des regen Leinenhandels gute Beziehungen zu Hafenstädten wie Bremen, Hamburg oder Antwerpen unterhielten, wurden auf den dort verbreiteten Tabakhandel aufmerksam, kauften Rohtabak auf und verarbeiteten ihn selbst weiter. Dabei wurden z. B. die Tabakblätter mit einer Art Spinnrad zu Strangtabak verwoben. Um 1750 entstanden die ersten Osnabrücker Tabakfabriken und der Handel mit Produkten wie Zigarren, Pfeifen, Schnupf- und Kautabak blühte.
In einem Bericht des Magistrats der Stadt Osnabrück an die „Königlich-Großbritanisch-Hannöversche Regierung“ von 1818 heißt es: „…da die aufgeführten Fabriken und Manufakturen,…sich nicht einzig auf den Verkauf im Inlande beschränken, sondern auch ihre Fabrikate,…ins Außland versenden. Sie vermehren und erweitern dadurch den Absatz der…rohen Produkte, den nützlichen Gewerbefleiß der Einwohner und den Handel mit dem Auslande und erhalten so auch nicht nur das inländische Geld dem Lande, sondern bemühen auch dasselbe durch das fremde Geld,…. Vornehmlich gewähren diese Vorteile die hiesigen Tabakfabriken, die Papierfabriken und die Seyfenfabriken, die alle im Großen arbeiten und ansehnliche Summen einführen.“
Die Tabakfabrik der „Gebrüder André“ z. B. entstand 1817 in Osnabrück. Bereits 1853 beschäftigte das Unternehmen hier 130 Personen und war größter Arbeitgeber im Osnabrücker Land.

Zwei Jahre zuvor hatte das Unternehmen sogar in Bünde eine Filiale gegründet, die heute noch besteht.

eisenbahn
kupferschild

1866/67 wurde die Produktion in Osnabrück eingestellt. 1893 standen im Osnabrücker „Verzeichnis der Gewerbetreibenden“ 51 „Cigarren- und Tabakfabrikanten“, darunter auch André und Thorbecke.

Die Familie Thorbecke, früher „tor Becke“ (plattdeutsch: „am Bache“), ist noch heute von Amsterdam bis nach Süddeutschland zu finden. Das Firmenschild wie auch das Familienwappen zeigen deshalb einen im Wasser schwimmenden Fisch. Der einzige männliche Nachkomme der Osnabrücker Familie, Rudolf, geboren am 7. Dezember 1797, starb 1823 durch einen Unfall auf der Jagd. Die Firma ging an Louise Wüste, geb. Thorbecke. Der Osnabrücker Familienzweig ist inzwischen erloschen.

Wann wird  das Depot geöffnet?
Viele Schätze des Museums Industriekultur lagern im Verborgenen, denn die Ausstellungsfläche reicht nicht aus, um alle Exponate zu zeigen, die im Laufe der Jahre Teil einer umfangreichen Sammlung geworden sind.
Seit dem 15. März 2015 gewährt das Museum aber spannende Einblicke in einen Bereich, den die Öffentlichkeit nur in Ausnahmefällen zu sehen bekommt. Die Ausstellung „Fotos Feilen Feuerlöscher“ zeigt ausgesuchte Objekte aus dem Depot, unter anderem diese Dampflokomotive „Adler“ mit Personenwagen der „Ludwigsbahn“. Die Firma Schuco präsentierte die kleinste Blechspielzeug-Eisenbahn der Welt zum 100. Geburtstag der Deutschen Eisenbahn im Jahr 1935. Die Schuco-Lokomotive hat einen Uhrwerksantrieb und kann noch immer im Kreis fahren.

Beitrag der Redaktion

Ausgabe 9, 1/2015 | Autor: Margret Baumann

Bildnachweise

Fotos © Museum Industriekultur Osnabrück