Wem verdankt eine Buchungsmaschine ihr italienisches Design?

Auch in der letzten Ausgabe des Jahres 2015 gewährt „Osnabrücker Wissen“ einen Einblick in das umfangreiche, aber kaum bekannte Depot des Museums Industriekultur. Diesmal geht es um eine Maschine, die durch ihr außergewöhnliches Design beeindruckt. Sie wird – parallel zum Erscheinen dieser Ausgabe – von Dezember bis Februar im Museum Industriekultur ausgestellt.

Die Buchungsmaschine, deren Gehäuse 1974 von dem berühmten italienischen Designer Ettore Sottsass entworfen wurde, ist ein beeindruckendes Sammlungsobjekt des Museums Industriekultur Osnabrück. Sie ist Teil einer umfangreichen Sammlung von Büro- und Informationsmaschinen der Firma Olivetti, deren Schenkung das Museum Michael v. Jakubowski (antholgie Quartett, Bad Essen) zu verdanken hat. Die Maschine zählte einst zum Inventar der „Bahnhofsapotheke“ in Lübbecke. Der Inhaber Rainer Krause, der zunächst als Apotheker tätig war und später seiner Leidenschaft als Designunternehmer nachging, hatte sie Ende der 1970er Jahre als eine der ersten Bauten der BRD im postmodernen Stil errichten lassen. Das Haus wurde ausschließlich mit Olivetti Komponenten bestückt. Die Firma Olivetti entwickelte bereits seit den 1930er Jahren mechanische Rechenmaschinen in einem charakteristischen kompakten Design. Ab 1974 kamen  elektronische Rechenmaschinen mit teils außergewöhnlich gestalteten Formen auf den Markt. Daneben produzierte Olivetti auch mechanische, elektromechanische und elektronische Buchungsautomaten. Die hier zu sehende Buchungsmaschine „T2“ gehört zu den letzteren. Wie viele andere Geräte war sie für das Rechenzentrum DATEV („Datenverarbeitungsorganisation des steuerberatenden Berufs“) in Nürnberg zertifiziert.

Die Datenübertragung erfolgte damals nach der elektronischen Datenerfassung per Telefonleitung, heute hingegen über das Internet.

Valentine 2

Das Bemerkenswerte an diesem Sammlungsstück ist aber nicht die Technik, sondern die durch Sottsass designte Form- und Farbgebung, die dem Auge und nicht der funktionalen Form folgt. Vor allem die Kombination aus leuchtendem Türkis und knalligem Rot fällt auf. Ettore Sottsass begann in den späten 1950er Jahren seine Zusammenarbeit mit der Firma Olivetti und setzte sich dort mit der Gestaltung sogenannter „Bürowelten“ auseinander. Seinerzeit suchte Firmeninhaber Roberto Olivetti nach neuen Mitarbeitern, die beim Wechsel von der mechanischen zur elektronischen Technik an einer neuen Formgebung mitwirken sollten, die sich auch auf weitere Gebrauchsgegenstände erstreckte. Über Jahrzehnte hinweg entstanden während der erfolgreichen Teamarbeit nicht nur Fernschreiber und Jukeboxen, sondern zudem ganze Computersystem-Landschaften und Schreibmaschinendynastien.
Weltweit bekannt wurde Ettore Sottsass durch den Entwurf einer knallroten, leicht tragbaren Schreibmaschine. Das als „Valentine“ benannte, unkonventionelle Modell von 1969 wurde zwar kein Verkaufsschlager für Olivetti, indes war es ein Hingucker in Schaufenstern, ein Spielzeug für Intellektuelle und zählt seit jeher zu den beliebtesten Designklassikern der Postmoderne.

Ausgabe 12, 4/2015 | Autor: Barbara Kahlert

Bildnachweise

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