Wen sollten Kübel retten?

Zum vierten Mal gewährt „Osnabrücker Wissen“ Einblicke in das umfangreiche, aber kaum bekannte Depot des Museums Industriekultur. Diesmal geht es um eine Sicherheitsmaßnahme, die nicht eben vertrauenerweckend anmutet.

Zum Schutze der Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg wurden auch in Osnabrück direkt nach Kriegsbeginn 1939 Vorkehrungen getroffen. Das Ausheben von Splitter- und Deckungsgräben zählte ebenso dazu wie die Einrichtung von Luftschutzräumen in den Kellern der Wohngebäude. Nach den ersten schweren Luftangriffen des Jahres 1942 und der Erkenntnis, dass diese Maßnahmen allein nicht ausreichen würden, begann man zusätzlich mit dem Bau von Bunkern und Stollen. Auch die Industriebetriebe, in den folgenden Jahren vornehmlich Ziele der alliierten Bomber, legten in großem Stile Bunkeranlagen an. Für die Beschäftigten in der Steinindustrie und für die Bevölkerung am Piesberg wurde ein Teil des Hasestollens (der Bereich zwischen dem Mundloch und dem Haseschacht) zum Luftschutzstollen ausgebaut. Direkt hinter dem Mundloch wurden versetzt hintereinander Splitterschutzwände aufgemauert, die die Aufgabe hatten, im Falle eines Bombeneinschlages die Wirkung der Druckwelle zu minimieren. An den Wänden des Stollens wurden hölzerne

Sitzbretter angebracht. Unter dem Haseschachtgebäude, in unmittelbarer Nähe des Schachtes, stellte man eine Haspelanlage auf, mit deren Hilfe der hier zu sehende eiserne Kübel auf- und abbewegt werden konnte.

Eingerichtet für den Fall, dass durch Einwirkung einer Bombe oder Luftmine der Eingang am Mundloch verschüttet worden wäre. Eingeschlossene Personen hätte man die 30 Meter Höhe, die der Besucher heute mit dem Fahrstuhl überwindet, in diesem Provisorium heraufgezogen. Dieser schlichte, nichtsdestoweniger eindringliche Zeuge der jüngeren Geschichte ist im Zuge der Freilegung des Stollens – „konserviert“ durch den dort befindlichen Schlamm – im wahrsten Wortsinn ans Tageslicht gefördert worden. Bei dem Kübel handelt es sich vermutlich um den Teil eines ehemaligen Dampfkessels, der für diesen Zweck umgebaut wurde. Wie häufig bzw. ob das Objekt überhaupt zum Einsatz kam, ist nicht bekannt. Die am Stadtrand gelegene Steinindustrie war von alliierten Bombenangriffen weit weniger betroffen als die Industriebetriebe in der Stadt Osnabrück und deren Wohnviertel.

Ausgabe 10, 2/2015 | Autor: Barbara Kahlert

Bildnachweise

Fotos © Museum Industriekultur Osnabrück