Wer fährt Osnabrücker Kaffee durch acht Länder?

Kaffee ist neben Wasser und Bier das Lieblingsgetränk der Deutschen. Allein im Jahr 2014 wurden 1.209.534,3 Tonnen Kaffee nach Deutschland importiert. Seit einigen Jahren geht ein Bruchteil dieser Menge auch an zwei Osnabrücker Jungunternehmer, die mit ihrer Erfindung, dem Coffee-Bike, begehrte Kaffeespezialitäten wie Cappuccino oder Latte Macchiato zubereiten.

Wie kam das Coffee-Bike aus den Köpfen in die Große Straße?

„Das ist es!“, sagten sich Tobias Zimmer und Jan Sander als sie im Jahr 2008 ein Fahrrad mit integrierter Kaffeemaschine in einem dänischen Stadtpark sahen. Den Studenten war damals schon klar, dass sie sich nach ihrem Studium so schnell wie möglich selbständig machen wollten. Wieder zu Hause angekommen, feilten sie in jeder freien Minute an ihrer Idee. „Wir haben uns in der Garage von meinen Eltern eingerichtet.“, erzählt Jan Sander auf die Frage nach den Anfängen der Coffee-Bike GmbH. Dort tüftelten sie, bis ihre Ideen Gestalt annahmen. Einige Monate dauerte es, bis das erste Coffee-Bike zum ersten Einsatz rollte. Von da an nahm die Erfolgsgeschichte ihren Lauf. Die ersten praktischen Erfahrungen mit dem Fahrrad sammelten die beiden Osnabrücker in der Großen Straße. Das Coffee-Bike wurde von Anfang an positiv aufgenommen und gehörte schnell zum Stadtbild. Meterlange Schlangen waren keine Seltenheit. Bis zu 45 Liter Milch und 4 Kilogramm Espressobohnen wurden dabei an guten Tagen benötigt, um die Osnabrücker
Kaffeeliebhaber zufriedenzustellen. Und das alles ohne externen Wasser- und Stromanschluss.

Wie viele Geräte passen auf ein Fahrrad?

Wie das funktionieren kann, bleibt Betriebsgeheimnis. Fakt ist: bis zu 14 Stunden ist das Coffee-Bike autark einsetzbar – ohne Wasser- und Stromanschluss. Auf geringstem Raum befinden sich eine Siebträgermaschine, Kaffeemühle, Orangensaftpresse und ein kleines Waschbecken und das alles bei 100% CO2-Neutralität. Da das Coffee-Bike eine vollwertige Kaffeebar darstellt, jedoch mobil und platzsparend ist, ergeben sich die ungewöhnlichsten Einsatzmöglichkeiten. Ob Parkanlagen, Gartenfeste, Hochzeiten oder Messen, das Coffee-Bike passt auf jede Veranstaltung. Nach einer langen Testphase haben die Unternehmer auch ihre eigene Kaffeemarke entwickelt. Eine Mischung aus der Arabica- und der Robustabohne mit dem schönen Namen Caferino-Bohne sorgt für einen unverwechselbaren Geschmack. Die Arabica-Bohne stammt aus Peru und Mexico. Die Robusta-Bohne bezieht das Unternehmen aus Uganda und Tansania. Sie enthält von Natur aus mehr Bitterstoffe und reichhaltige Öle, die für das intensive Aroma und eine perfekte Crema sorgen. Caferino-Bohnen sind biozertifiziert und werden in einem traditionellen Familienunternehmen eigens für die Coffee Bike GmbH geröstet. „Bio“ wird an jedem Coffee-Bike ohnehin groß geschrieben – neben den biozertifizierten Bohnen wird ausschließlich Bio-Vollmilch verwendet ebenso wie biozertifizierter Tee und biologisch abbaubare To-Go-Becher.

Fährt das Bike nur in Osnabrück?

Angefangen haben Tobias Zimmer und Jan Sander in einem 20 qm-Büro im Technologiezentrum Bissendorf. Seit Februar 2015 ist das Unternehmen im Osnabrücker
Hafen ansässig. Hier verfügt man über eine große Produktionshalle, in der jedes einzelne Coffee-Bike von Hand gefertigt und von da aus an neue Franchisepartner in der ganzen Welt ausgeliefert wird. Inzwischen gibt es mehr als 90 Coffee-Bikes in acht Ländern. Sogar bis nach Katar und Kuwait liefert das Unternehmen regelmäßig Räder, Espressobohnen und Kaffeebecher aus. Seit dem 1. Mai 2015 wird das Coffee-Bike von dem Rumänischen Unternehmer Adrian Bîlă gezielt in Rumänien vermarktet. Er hat von den Osnabrückern eine Master-Franchise-Lizenz erworben und will in Zukunft den rumänischen Markt erschließen. Die niedrigen Investitionskosten machen das System also nicht nur in Deutschland attraktiv.

Ausgabe 11, 3/2015 | Autor: Stefan Bock

Bildnachweise

Bildmaterial © Coffee-Bike GmbH