Wer nimmt das Dienstfahrrad?

Der Dienstwagen stellt eines der beliebtesten Statussymbole der Deutschen dar und ist immer wieder Gegenstand von Vertragsgesprächen mit dem Arbeitgeber. Doch jetzt bekommt das Auto Konkurrenz: Immer mehr Deutsche fahren Rad – Dienstrad! Auch in Osnabrück findet diese umweltschonende Entwicklung zunehmend Anklang.

Bis vor ein paar Jahren war das Thema Dienstfahrrad für viele Unternehmen eher uninteressant. Das hat sich mittlerweile geändert. Ende 2012 haben die obersten Finanzbehörden der Länder von der Ermächtigungsnorm im Einkommensteuergesetz Gebrauch gemacht und neue Erlasse veröffentlicht, wobei das Dienstwagenprivileg auch auf Fahrräder übertragen worden ist. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer profitieren von der neuen Regelung. Der Unternehmer erhält Sonderkonditionen bei den Fahrradvertrieben und dem Arbeitnehmer werden die Leasingraten monatlich direkt von seinem Bruttoeinkommen abgezogen, wodurch er weniger Steuern und Sozialabgaben zahlen muss. Der Arbeitnehmer unterliegt dabei der 1% Regelung. Das heißt, dass 1% des Fahrrad-Listenpreises monatlich als sogenannter „geldwerter Vorteil“ versteuert wird. Bekannte Anbieter wie „Business Bike“ oder „JobRad“ bieten auf ihren Webseiten spezielle Leasing-Rechner an, mit denen sich der eigene Vorteil gegenüber einem Privatkauf leicht bestimmen lässt. Insgesamt können Angestellte so zwischen 20-40% im Verhältnis zum Privatkauf sparen, wobei sich die meisten für ein E-Bike entscheiden.

Modellprojekt bei den Stadtwerken Osnabrück

Die Stadtwerke Osnabrück haben das Dienstfahrrad für ihre Mitarbeiter bereits im Rahmen ihres Mobilitätsangebots erfolgreich eingeführt. Nach einem halben Jahr nutzen über 100 Mitarbeiter das umweltfreundliche Angebot. „Die Implementierung des Dienstfahrrads war zu Beginn ein zeitaufwendiger Prozess, da die Grundvoraussetzungen geklärt und die abteilungsübergreifenden Verantwortlichkeiten bestimmt werden mussten. Heute läuft die Abwicklung reibungslos und bedeutet für uns einen sehr geringen administrativen Aufwand. Interessierten Unternehmen stehen wir bei Fragen oder Beratungswünschen diesbezüglich gerne zur Verfügung“, sagt Jan-Peter Brüwer, Produktentwickler des Mobilitätsangebots der Stadtwerke. Nachdem der Mitarbeiter seine Anfrage gestellt hat, wird seine interne Berechtigung von der Personalabteilung der Stadtwerke geprüft. Im Anschluss geht der Mitarbeiter zum Fahrradhändler seines Vertrauens und füllt mit ihm ein Anfrageformular für sein Wunsch-Rad aus. In den nächsten Tagen erhält der Mitarbeiter die unterschriftsreifen Vertragsunterlagen und sein Fahrrad kann nach Abstimmung mit den Stadtwerken bestellt werden. Nach Ablauf von drei Jahren hat der Mitarbeiter die Möglichkeit das Fahrrad zu einem geringen Restwert abzukaufen.

Genauso wie viele andere Fahrradanbieter in Osnabrück hat auch das Zweiradcenter Bücker positive Erfahrungen mit dem Verkauf von Dienstfahrrädern gemacht. „Der Verkauf von E-Bikes (Pedelecs) macht mittlerweile einen Anteil von über 75% aus. Der technologische Fortschritt ist enorm, sowohl hinsichtlich des Motors als auch bezüglich der Ausstattung (sportlich oder komfortabel). Allerdings finden auch Mountainbikes immer größeren Anklang“, erläutert Oliver Bücker. Neue Fahrradmodelle kommen im August bzw. September auf den Markt, wobei die Modelle mittlerweile auch längerfristig laufen und Ersatzteile somit leichter zugänglich sind. E-Bikes sind heute kaum noch als diese zu erkennen, da sie von der Optik immer schlanker werden. Der Vorteil von einem Dienstfahrrad liegt damit klar auf der Hand: Als Mitarbeiter spart man Benzin und Anschaffungskosten; durch E-Bikes kommt man stress- und schweißfrei zur Arbeit; die lästige Parkplatzsuche entfällt und die eigene Gesundheit wird gefördert. Unternehmen zahlen hierfür kein Geld, sondern sparen auch noch an Lohn-und Sozialabgaben. „Man erzielt somit eine echte Win-Win-Situation“, bestätigt Bücker. | AW

Ausgabe 12, 4/2015 | Autor: Anna Warnking

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