Werden in Osnabrück die sichersten Aufzüge der Welt gebaut?

OSMA-Aufzüge beschäftigt 650 Mitarbeiter, erwirtschaftet einen Umsatz von gut 70 Millionen Euro p.a. und kann auf eine Firmengeschichte zurückblicken, die bis ins Jahr 1919 zurückreicht. Neben Faktoren wie Kundenorientierung, Design und höchsten Qualitätsmaßstäben sind vor allem die Sicherheitsstandards ein Erfolgsgarant des Osnabrücker Familienunternehmens.

Das Firmengelände im Fledder erstreckt sich über ein riesiges Areal. Darauf befinden sich u.a. Fertigungshallen, Verwaltungsgebäude, ein Logistikzentrum, eine Gravurmanufaktur und zwei eigene, für und von OSMA entworfene Testtürme. 1990 wurde hier der 10.000. Fahrstuhl und 2006 der 20.000. Fahrstuhl produziert. Nr. 20.000 fährt übrigens im Modehaus L+T und gilt als einer der schönsten von OSMA produzierten Aufzüge.

Kann ein Aufzug abstürzen?

Ein Aufzug ist permanent durch mindestens zwei Systeme gesichert. Zum einen wird die Aufzugkabine über Tragseile, beziehungsweise bei Hydraulikaufzügen über einen Hydraulikstempel, gehalten, zum anderen über die sogenannte „Fangvorrichtung“, welche bei einem Ausfall des ersten Systems, die Kabine umgehend stoppt. Diese Sicherung muss seit kurzem sogar in beide Richtungen funktionieren: sowohl nach unten, um einen Absturz der Kabine zu verhindern, als auch nach oben. Wie aber kann eine Kabine nach oben abstürzen? Bei Seilaufzügen entspricht das Gegengewicht dem Gewicht der Leermasse der Kabine plus der Hälfte der Nutzlast. Ist die Kabine weniger als bis zur halben Nutzlast gefüllt, driftet sie, sofern sie nicht von einer Bremse gehalten wird, durch das schwerere Gegengewicht nach oben. Durch die Fangvorrichtung ist Sicherheit garantiert – sogar in zwei Richtungen. Falls ein Fahrstuhl „steckenbleibt“, werden die Betroffenen nach Betätigung des Notrufsystems umgehend befreit. Die Zielsetzung von maximal 30 Minuten bis zum Beginn der Hilfsmaßnahmen wird in der Regel unterschritten. Die stetige Luftversorgung ist durch die Tür beziehungsweise spezielle Lüftungsschlitze in der Kabine gesichert. Außerdem kommunizieren Mitarbeiter, die für solche Situationen speziell

geschult werden, über die Gegensprechanlage mit den Eingeschlossenen. Sie organisieren die Befreiungsmaßnahmen, gewährleisten eine kontinuierliche Informationsweitergabe über den Stand der Dinge und beruhigen die Personen in der Kabine. Die größte Gefahr in einem solchen Fall entsteht, wenn die Eingeschlossenen versuchen, sich selber zu befreien.

 Wie oft bleibt ein Aufzug stecken?

Odo Hake, Kommunikations- und Marketingleiter bei OSMA, hat gute Nachrichten für alle, die Aufzüge nicht ohne ein mulmiges Gefühl betreten. „Statistisch gesehen bleibt jeder Aufzug unseres Unternehmens alle 12,5 Jahre nur einmal stecken – das ist auch im Vergleich zu unseren Wettbewerbern eine sehr geringe Häufigkeit, an deren Minimierung wir kontinuierlich weiterarbeiten.“ In der 96-jährigen Unternehmensgeschichte, in der mehr als 25.000 Aufzüge gebaut wurden, musste nie ein Todesopfer beklagt werden. „Aufzüge sind die sichersten Verkehrsmittel der Welt – und in Deutschland tragen Betreiber, Prüforganisationen und Wartungsunternehmen dazu bei, dass dies auch so bleibt. Wer die sichersten Aufzüge baut, wurde noch nie ermittelt. Wir tun jedoch alles Erdenkliche dafür, dass Benutzer und Wartungspersonal nicht zu Schaden kommen“, erklärt Odo Hake. In Deutschland werden Fahrstühle permanent überprüft. Es gibt maximal alle zwei Jahre eine Hauptuntersuchung und in jedem dazwischen liegenden Jahr eine Zwischenprüfung durch eine zugelassene Überwachungsstelle. Außerdem ist der Betreiber zur regelmäßen Wartung verpflichtet, welche bei hoher Nutzungsfrequenz monatlich stattfindet.

Das Familienunternehmen
Der „Osnabrücker Maschinen- und Aufzugsbau Adler & Dreyer“ wurde 1919 gegründet, 14 Jahre später übernahm Albert Schenk (I) das Unternehmen. Es ist bis heute im Familienbesitz. Jens-Albert Schenk leitet OSMA als geschäftsführender Gesellschafter in der vierten Generation zusammen mit seinem Vater Albert Schenk (III).

Ausgabe 11, 3/2015 | Autor: Felix Stark

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