Wie plant ein Kino sein Programm?

Ein perfekter Kinoabend muss gut geplant sein und viele Details werden schon abgestimmt, lange bevor die Kinogäste ihren Wunschfilm in Leinwandatmosphäre erleben können. Hier spielt die Programmgestaltung und der richtige Film-Mix eine wichtige Rolle.

Jedes Lichtspielhaus hat seine eigene Zielgruppe – vom Blockbuster-Multiplex mit allem, was Hollywood zu bieten hat, über das spezielle Nischenkino mit Hang zu farbenfrohen Gesangsspektakeln im Stil von Bollywood bis zum Filmkunsttheater, welches sich auf Arbeiten europäischer Filmemacher spezialisiert hat. Ein Kino, das sich am Markt als sogenannter „Vollsortimenter“ beweisen will, muss aus dem riesigen Filmangebot des Marktes den richtigen Mix an Titeln auswählen. Darüber hinaus sollten die Startzeiten zu den jeweiligen Filmen, Besuchern und Altersfreigaben passen.
„Filme für Kinder und Jugendliche platzieren wir im Mittags- und Nachmittagsbereich, der Abend gehört dann den Hollywood-Blockbustern und einer Auswahl anspruchsvollerer Filmtitel. Die späten Vorstellungen erreichen vornehmlich spezielle Kinogäste mit Titeln, die durch erhöhten Thrill locken“, erklärt Anja Thies, geschäftsführende Gesellschafterin der „Filmpassage“, die Programmplanung in der Johannisstraße. Trotz sorgfältiger, oft monatelanger Vorbereitung erreichen selbst erfolgreiche Kinos immer nur einen begrenzten Kundenkreis.
Vollsortimenter setzen  deshalb auf einen ausgewogenen Mix an Titeln und die Tatsache, dass der Kinomarkt permanent mit neuen Filmstarts versorgt wird.

Wer bestimmt, wo welcher Film wie lange läuft?

Woche für Woche veröffentlichen die Verleiher neue Filmproduktionen, die an den attraktiven Standorten Deutschlands angeboten werden. Filmverleihe und Kinos definieren gemeinsam die Rahmenbedingungen für die Abspielzeit eines Titels. Zunächst wird die Leihgebühr festgelegt, welche sich aus den prozentualen Ticketverkäufen ergibt. Während der finalen Programmplanung geht es dann um die Anzahl der Vorstellungen pro Tag, die Mindestspieldauer in Wochen und ggf. auch um die Saalgröße und Gesamtkapazität. Da jedes Kino mit seinen speziellen Zielgruppen, aber auch der Verleih mit seinem Produkt, dem Film, das bestmögliche Angebot erreichen möchte, können hier Interessenskonflikte entstehen. Von Fall zu Fall muss dann zwischen den Kinos und den Filmverleihern (nach)verhandelt werden, um das bestmögliche Ergebnis für beide Seiten zu erreichen und am Ende vor allem der Nachfrage der Kinobesucher optimal gerecht zu werden. Durch die moderne Digitalprojektion spielt auch der Faktor 2D- und/oder 3D-Version eine wichtige Rolle. Untertitel und verschiedene Sprachversionen können ebenfalls gebucht werden, denn digitale Filmkopien enthalten ein „Gesamtpaket“ mit sämtlichen Features. Verschiedene „Keys“ (Schlüssel) geben die Filmvarianten frei,

und das Kino kann diese dann abspielen/nutzen. Doch auch diese zusätzlichen Optionen müssen mit dem Filmverleih extra abgerechnet werden. Das Kino entscheidet daher immer wieder, welche Filmvarianten es nutzen und buchen will. „Die vielen Möglichkeiten sollten jedes Mal geschickt auf die Vorstellungszeiträume verteilt werden. Zu große zeitliche Überschneidungen desselben Titels, auch in verschiedenen Versionen, vermeiden wir, damit das Programm für die   Besucher überschaubar bleibt und ihnen die Wahl des Filmtitels erleichtert wird“, verraten Robin Ehlert und Volker Feldhaus, die montags immer mit der Erstellung des sogenannten  Filmübersichtsplans der Filmpassage beschäftigt sind. In Zeiten der analogen Filmkopie stellte sich diese Frage übrigens gar nicht. Denn  seinerzeit gab es nur ein Exemplar pro Film und Kino. Erst wenn die  eine Vorstellung beendet war, konnte eine weitere gestartet bzw. in  einem anderen Kinosaal gespielt werden. Aus dieser Zeit stammt auch noch die Regelung, dass sich Spielzeiten einer Digitalkopie nicht  überschneiden dürfen. Sollte dies doch der Fall sein, muss über den Filmverleih eine zusätzliche Kopie bestellt und abgerechnet werden. Tatsächlich werden aber alle Filmversionen über einen Datenträger  bereitgestellt und für alle Vorstellungen auf die entsprechenden Kinoserver kopiert.

Ausgabe 14, 2/2016 | Autor: Beitrag der Redaktion

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