Wie sahen Urlaubsbilder vor 100 Jahren aus?

„Osnabrücker Wissen“ gewährt Einblicke in das umfangreiche Depot des Museums Industriekultur. Die Sammlung ist kaum bekannt, nur ausgewählte Exponate sind in einer besonderen Präsentation im Haseschachtgebäude am Fürstenauer Weg zu sehen. Diesmal erinnern wir mit außergewöhnlichen Urlaubsbildern von den Ostfriesischen Inseln an die wärmere Jahreszeit.

Die 24 Glas-Dias, die eindrucksvoll eine Reise von Hamburg zu den Ostfriesischen Inseln Helgoland, Norderney und Borkum Anfang des 20. Jahrhunderts zeigen, stammen aus einem Osnabrücker Privatbesitz, wurden jahrelang liebevoll gepflegt und neben weiteren Serien dem Museum Industriekultur überlassen.
Die weltweit bekannte Fotoserie produzierte die Firma „Projektion für Alle“. Sie wurde um 1907/08 von Max Skladanowsky, einem deutschen Filmpionier, gegründet. Neben dieser Serie existieren noch viele weitere Urlaubs- und Reiseserien auf Glas sowie auf Papier. Die Beschriftung zu den einzelnen Aufnahmen ist in Deutsch, Englisch und Französisch – eine weitreichende Verbreitung ist demnach anzunehmen. Was zeigen die beeindruckenden Fotografien? Auf dem Weg zu den bekannten Nordseebädern wird zuerst die Hansestadt Hamburg erkundet. Dann führt die Fahrt mit dem Turbinen-Dampfschiff „Kaiser“ von Blankenese bei Hamburg auf die Insel Helgoland.

Der Schnelldampfer „KAISER”, gebaut von der Vulcan-Werft in Stettin, war das erste Schiff der Hamburg-Amerika Linie, welches über einen Turbinenantrieb verfügte. Er wurde ab 1906 im ostfriesischen Inselbäderdienst eingesetzt.

Glasdia Ankunft auf Helgoland

Ein Dia zeigt das Herrenbad auf Helgoland, wo nur den Männern das Baden in der Nordsee genehmigt war und das sogar in kurzen Badehosen. Im ersten Familienbad Deutschlands, das ebenfalls 1900 auf Helgoland eröffnet wurde, war das allerdings verboten. Hier galt Badeanzug-Pflicht für alle.
Von Helgoland aus geht es weiter nach Norderney, wo ein Dampfboot der Bremer Lloyd verkehrte. Wie einige Bilder zeigen, konnten die Dampfschiffe nicht immer direkt am Kai anlegen, sondern die Passagiere wurden mit kleinen Booten auf die Insel gebracht und gelangten über fahrbare Stege zum Strand. Ein kleines Abenteuer.
Im Kaiserreich nimmt die Reiseintensität, d.h. der relative Anteil der Reisenden an der Gesamtbevölkerung, deutlich zu, aber mehr als zehn Prozent dürften es nicht gewesen sein. Tourismus bleibt seinerzeit ein Privileg der Bürger, ihrer Frauen und Kinder. Die allsommerliche Urlaubsreise wird zu einem festen Bestandteil der bürgerlichen Kleinfamilie. Die Glas-Dias waren etwas Besonderes. Sie dienten zum einen der Erinnerung an eine besondere Zeit und zum anderen weckten sie – ähnlich der heutigen Werbung von Reiseunternehmen – die Lust auf neue Urlaubsziele

Ausgabe 8, 3/2014 | Autor: Barbara Kahlert

Bildnachweise

Haseschachtgebäude © Maren Kiupel; Zahnräder © injenerker – fotolia.com;
August Haarmann. „Projektion für Alle“, 24 Glas-Dias, Format: 8,4 cm x 8,4 cm, um 1907/08. Museum Industriekultur Osnabrück.