Wie werden Holzschuhe gefräst?

Auch in dieser Ausgabe wirft „Osnabrücker Wissen“ einen Blick in das umfangreiche, aber kaum bekannte Depot des Museums Industriekultur. Im Juni geht es um eine Maschine der Firma Albert Bernhard Jürgens aus Emsdetten. Sie ist – parallel zum Erscheinen dieser Ausgabe – seit Juni im Museum Industriekultur zu sehen.

Seit dem 12. oder 13. Jahrhundert gab es fast in jedem Dorf einen Holzschuhmacher, der diesen Beruf neben der Landwirtschaft ausübte (vor allem in den Wintermonaten). Holzschuhe wurden bis in die 1950er Jahre überwiegend in der Landwirtschaft und bei bestimmten Arbeiten wie dem Torfstechen getragen. Auf den Stahlhütten, in Gießereien und im Bergbau gehörten sie zur Berufskleidung, wurden aber zunehmend von Stahlkappenschuhen verdrängt. Pro Jahr und Träger wurden etwa zwei Paar Holzschuhe benötigt. In den 1950er Jahren kostete ein Paar Holzschuhe zwischen 2,00 – und 3,50 DM. Heute werden sie in den Niederlanden beim Deichbau als optimale Sicherheitsschuhe genutzt und in vielen Regionen zieht man sie bei der Gartenarbeit an.
Für die Herstellung von Holzschuhen werden Weichhölzer wie Pappel oder seltener Ahorn verwendet. Historisch nutzte man auch teureres Weiden- und Erlenholz.
Die ersten Arbeitsgänge sind, ob man die Holzschuhe mit Maschinen oder rein manuell herstellt, gleich. Zuerst wird der Holzstamm in kurze Stücke geschnitten und entrindet.

Dann geviertelt und in einen rechteckigen Block (Vierkantholz) einer bestimmten Länge (Schuhgröße) geschnitten. Die folgende Bearbeitung, seit Mitte der 40er Jahre werden dafür Maschinen eingesetzt, wurde früher von dem Holzschuhmacher manuell und mit Spezialwerkzeugen wie Ziehmesser, Löffelbohrer und Schabeisen durchgeführt.
Die im Museum Industriekultur Osnabrück gezeigte Maschine stammt von der Firma Albert Bernhard Jürgens, die 1921 in Emsdetten mit einem kleinen Handelsunternehmen für Holzschuhe startet.
In der damaligen Zeit finden Jürgens Holzschuhe regen Absatz im landwirtschaftlich geprägten Münsterland. Im Zuge der Industrialisierung fertigt die Firma dann Fräs- und Kopiermaschinen, mit denen die Holzschuhe bis heute mechanisch hergestellt werden.
Die geschnittenen Vierkanthölzer oder auch Holzschuhrohlinge werden in die Kopierfräse gespannt. Der Gleiter aus Metall tastet die äußere Form von einem Holzschuhmuster oder Model ab und steuert den Fräskopf, der gleichzeitig einen rechten und linken Holzschuh fertigt.

Nach diesem Arbeitsgang auf der Fräse kann man die Schuhe noch nicht anziehen, denn der Schuh hat erst die äußere Form. Auf einer Fräsmaschine, wie sie im Museum gezeigt wird, werden die  Schuhrohlinge dann ausgehöhlt. Erst mit groben und dann mit feinen Fräsköpfen. Auch für die innere Form wird ein Model verwendet. Dieses Model sitzt in der Mitte zwischen den beiden Holzschuhrohlingen und wird von der Maschine abgetastet. Die beiden seitlichen Fräsen bearbeiten das Holz solange bis die Form mit dem Model in der Mitte übereinstimmt. Der Holzschuh wird von der Maschine genommen und der Holzschuhmacher bringt in Handarbeit die flachen Einspannseiten oben und unten in die richtige Holzschuhform und schleift an der Schleifmaschine alle Ecken und Kanten ab. Die Holzschuhe werden noch einmal überprüft, damit am Fuß auch nichts drückt und gegebenenfalls mit der Hand fein nachgearbeitet und geschliffen. Zum Schluss werden noch eine Lederlasche und ein Riemen an den Holzschuh genagelt oder getackert. Damit sind ein Paar Holzschuhe fertig und werden je nach Größe für circa 15 – 30 Euro verkauft.

Ausgabe 14, 2/2016 | Autor: Margret Baumann

Bildnachweise

Fräsmaschine für die Holzschuhherstellung © Maren Kiupel