Wie werden Kinofilme gespeichert?

Filmrolle war gestern – aber so lange ist „gestern“ noch gar nicht her. In der Filmpassage Osnabrück wurden die 35mm-Projektoren, die  seit der Eröffnung im Jahr 1990 ihren Dienst verrichteten, im Februar / März 2013 gegen digitale Geräte ausgetauscht.

Wie führten die Kinos früher vor?

Vor dem digitalen Zeitalter wurden Filmkopien in Teilen von ca. 600 Metern hergestellt, was einer Laufzeit von etwa 20 Minuten entsprach. Die Rollen, in der Branche „Akte“ genannt, warteten in regionalen Filmlagern auf ihren Einsatz. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, dem traditionellen Programmwechsel, brachten Kuriere die neuen Filme in die Kinos – und die Kopien der aus dem Programm genommenen Titel wieder zurück in die Lager. Pro Film gab es etwa fünf bis sieben Rollen, die vom Filmvorführer in der richtigen Reihenfolge hintereinander gekoppelt und zu einer großen Rolle zusammengefügt werden mussten. Sie hatte einen Durchmesser von mehr als einem Meter und wog zwischen 20 und 40 Kilogramm. Welche Vorteile hat die Festplatte? Bild- und Toninformationen (und ggf. Untertitel) liegen heute in digitaler Form in mehreren Dateien vor. Sie werden auf transportable Wechselfestplatten kopiert und dann an die Kinos geschickt. Jeder Digitalprojektor ist mit einem Wechselrahmen ausgestattet, in den diese Festplatte bei Eintreffen eingeschoben wird. Nun  kopiert der Mitarbeiter alle Dateien des Films auf die große Datenfestplatte des Projektors. Da ein normaler Spielfilm eine Datenmenge von im Schnitt 150 GB umfasst, dauert dieser Prozess mehrere Stunden und wird meist über Nacht durchgeführt.

Um Missbrauch zu vermeiden, sind die Filmdateien auf der Festplatte verschlüsselt und müssen für die Vorführung zuerst frei geschaltet werden. Hierzu bekommt jedes Kino spezielle Schlüsseldateien, die immer nur für einen bestimmten Saal und die vorgesehene Filmversion funktionieren und außerdem zeitlich begrenzt sind. Gegenüber den Filmrollen ist eine Wechselfestplatte wesentlich leichter und handlicher. Dies wirkt sich auf die Transportkosten aus. Darüber hinaus macht der Digitalprojektor eine hochqualitative Filmvorstellung in 3D erst möglich – mit analoger Rollentechnik wäre diese Form des „Filmerlebens“ undenkbar. Auch die D-BOX-Motion-Seats in der Filmpassage funktionieren nur dank digitaler Technik. Für den Kinobesucher hat die Festplatte viele Vorteile: Die Qualität des Filmmaterials ist keinen Verschleißerscheinungen ausgesetzt, auch nach 1.000 Vorführungen gibt es weder Kratzer noch Knicke oder Flecken. Aber auch die digitale Technik hat Nachteile: Sollte die Datei auf der Festplatte ausnahmsweise doch mal beschädigt oder fehlerhaft sein, ist sie nicht abspielbar und kann im Gegensatz zu früher, wo mit Schere und Kleber noch etwas zu retten war, nicht manuell „repariert“ werden.

Filme aus dem Weltall?

Auch die neue Technik hat schon wieder einen Nachfolger – oder wenigstens eine sinnvolle Ergänzung gefunden: Seit Januar 2014 setzt die Filmpassage auch auf Satellitenübertragungen. Mit der Kino-SAT-Anlage können nicht nur Kosten für den Empfang, die Lagerung und den Rückversand der Festplatten reduziert werden – sie ermöglicht auch die Live-Übertragung von Rock-Konzerten oder Opernaufführungen. Die Filmdateien werden bei diesem Verfahren per Satellit übertragen. Der Verleih sendet den Film gleichzeitig an alle Kinos, die den Titel im Programm haben. Vor Ort speichert ein mit der Empfangsanlage verbundener Server die Filmdateien. Da die Projektoren aller Räume über ein LAN-Netzwerk mit dem Server verbunden sind, kann der Film nach erfolgreicher Übertragung dann in den Saal, wo er gezeigt werden soll, kopiert werden.

Ausgabe 12, 4/2015 | Autor: Beitrag der Redaktion

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