Wie wird ein Straßenverkäufer Marktführer in Europa?

In einem Ortsteil der Gemeinde Ostercappeln befindet sich das einzige „Waffeldorf“ Deutschlands. Die dort ansässige Waffelfabrik Meyer zu Venne ist von einer kleinen Manufaktur mit Straßenverkauf zum europäischen Marktführer in Sachen Waffeln geworden.

Wohin geht der Waffeltrend?

Der Sommer macht Lust auf Eis – und die passenden Waffeln. Formen, Farben und Geschmacksrichtungen sind dabei keine Grenzen gesetzt, wie ein Besuch der Waffelfabrik Meyer zu Venne zeigt. Das Unternehmen produziert neben dem klassischen Eishörnchen alle nur erdenklichen Variationen: Von Zuckerwaffeln über Waffelbecher bis hin zu Dekor- und Schokowaffeln. Mit jährlich über zehn Neuentwicklungen setzt das Unternehmen immer wieder innovative Akzente in der Waffelwelt und schafft es so, seine Vorreiterrolle in Europa zu verteidigen. „Aktuell geht der Trend ganz klar zu mehr Knusprigkeit in  der Waffel“, erläutert Meyer zu Venne jun. Eine der neuesten Kreationen ist ein „Waffel-Crunch“, das beispielsweise aufs Eis gestreut werden kann. Das in der dritten Generation geführte Familienunternehmen hat seine Ursprünge kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. 1949 schlug Wilhelm Meyer zu Venne sen., Großvater von Wilhelm Meyer zu Venne jun., neue Wege ein. Anders als seine Vorfahren, die sich traditionell der Landwirtschaft widmeten, begann er mit seiner Frau Gertrud im eigenen Haus handgefertigte Waffeln zu verkaufen. Anfangs wurde der Teig per Hand gerührt und mit einem Waffeleisen geformt, bis in den 60er Jahren die erste vollautomatische Backanlage zum Einsatz kam. Inzwischen findet die Produktion, abgesehen vom Einpacken, maschinell statt. Heute arbeiten bei Waffel-Meyer über 150 Mitarbeiter, 40 Maschinen sind rund um die Uhr im Einsatz und jährlich werden rund 2,9 Milliarden Waffeln produziert. Seit 2003 exportiert die Waffelfabrik überdies verschiedenste Waffelkreationen in fast jeden Winkel der Erde.

Wie viele Haushalte werden mit der Waffelfabrik beheizt?

Schon der Name der Meyer zu Venne verdeutlicht die Generationen überdauernde, enge Verbundenheit mit der kleinen, 3.000 Einwohner zählenden Ortschaft in der Gemeinde Ostercappeln. So achtet das bodenständige Unternehmen bei der Herstellung der Waffeln auf nachhaltige Produktionsverfahren und den Einsatz zertifizierter Rohstoffe. Das neueste Nachhaltigkeitsprojekt ist die Nutzung der Abwärme aus der Backstraße für Warmwasser und Heizungswärme von bis zu 350 anliegenden Haushalten. „Wir sind sehr froh darüber, hier in Venne ein Nahwärmenetz einrichten zu können“, freut sich Meyer zu Venne über den Beginn des Bauprojektes.

Wo gibt es Waffeleisen mit Panda-Bären?

Ein Besuch im angegliederten Waffelmuseum lohnt sich. In dem Gebäude, in dem einst die Großeltern das Waffelbacken und den Verkauf begannen, hat inzwischen eine Ausstellung Platz gefunden. Wissenswertes erfährt man hier über die Geschichte der Fabrik und die Entwicklung der Waffelproduktion. Die Betreiberin des Museums ist Wilhelms Schwester, Carolin Meyer zu Venne. Sie bemerkt mit Blick auf den großen Fundus des Museums: „Wir sind sehr stolz auf die über 500 Exponate aus der ganzen  Welt.“ Man freue sich über jeden einzelnen  Besucher, der den Weg in ihr „Waffeldorf“ findet, sagt sie. Nach Carolin Meyer zu Vennes Angaben handelt es sich um die größte Backeisensammlung der Welt.

Neben den hierzulande bekannten alten, gusseisernen Formen sind auch spektakuläre Ausstellungsstücke zu finden, etwa Waffeleisen mit Pandabären und Koi-Karpfen aus China. Historisch besonders interessant sind die Eisen aus dem 16. Jahrhundert, die für die Oblaten-Produktion in spanischen Klöstern eingesetzt wurden. In einem Film informiert das Museum über die Produktion in der Fabrik von Waffel-Meyer. Alle Waffelliebhaber und solche, die es noch werden wollen, haben außerdem die Chance, im Verkaufsraum eine Riesenauswahl an fabrikfrischen Waffeln und Gebäck zu erwerben und sich für den Rückweg mit heißem Kaffee und frisch gebackenen Waffeln zu stärken. Einziger Wermutstropfen: Handgefertigtes Eis gibt es vor Ort leider keines zu den leckeren Waffeln.

» www.waffel-meyer.com

Ausgabe 10, 2/2015 | Autor: Theresa Rollmann

Bildnachweise

Bilder  © Waffelfabrik Meyer zu Venne